Organisationsprofil
Die KINDERVEREINIGUNG Leipzig e. V. (KVL) versteht sich als Ermöglicherin, um den jüngsten und jungen Menschen mehr Raum für Wachstum und Entwicklung zu geben. Der gemeinnützig tätige Verein und freie Träger der Jugendhilfe betreibt Kindertageseinrichtungen, Schulclubs sowie offenen Freizeittreffs und ist u.a. in Horten und der Schulsozialarbeit in Leipzig und dem Leipziger Land tätig.
Ausgangssituation
Der KVL ist es ein Anliegen, Organisationsentwicklungs-prozesse wertorientiert zu gestalten. In einem Arbeitskontext, in dem die partizipative Einbindung der Zielgruppe einen zentralen Wert der pädagogischen Arbeit darstellt, entstand so der Wunsch, Partizipationsvorhaben auch auf trägerweite Entwicklungsmaßnahmen und auf alle KVL-Mitarbeitenden auszuweiten, etwa im Hinblick auf Digitalisierungsmaßnahmen.
Analoge Partizipationsformate werden durch die räumliche und zeitliche Verteilung der Mitarbeitenden erschwert: Zur KVL zählen über 400 Mitarbeitende in Kitas, Horten, Schulen, Jugendclubs und Freizeittreffs, die teilweise zu sehr unterschiedlichen Tageszeiten und in verschiedenen Konstellationen (autonom, in Teams, in Fachgruppen) arbeiten.
In der KVL, wie in vielen Organisationen, die menschbezogen Arbeiten, hängt die digitale Ausstattung an oftmals projektgebundenen Fördermitteln. Dementsprechend ist die digitale Infrastruktur häufig fragmentiert, rein zweckmäßig und erfüllt die zur Sicherung der Arbeit notwendigen Minimalanforderungen. So gibt es weder für viele Beschäftigte einen Zugang zu persönlichen digitalen Endgeräten noch besitzen viele Beschäftigte einen E-Mail-Account. Eine Anmeldung bei digitalen Plattformen in personalisierten Konten wird daher erschwert.
Maßnahmen in der Praxis
Die entwickelte digitale Partizipationsplattform wurde iterativ und unter Einbindung der Praxis- und Multiplikatoren-Perspektive umgesetzt. Ausgangspunkt bildete eine Anforderungsphase, in der erste Bedarfe des KVL-Kontextes und aus der Literatur um Nonprofit-Organisationen (NPO) erhoben wurden. Diese wurden in zwei Workshops unter Beteiligung des Entwicklungsteams, der KVL sowie den wissenschaftlichen Partnern des Vorhabens konkretisiert und hierarchisiert. Aufgrund der zeitlichen und finanziellen Projektbegrenzung wurde in der Umsetzung auf die Funktionen der Gastkontenzugänge, Learning Nuggets und der KI-Komponente fokussiert. Somit standen in der ersten Iteration die niedrigschwellige Nutzbarkeit und der unmittelbare Mehrwert für NPO im Vordergrund. Dazu wurden die funktionellen Grundlagen geschaffen: kompakte Lerneinheiten („Learning Nuggets“) unterstützen Organisationen und Teilnehmende ohne technisches Vorwissen beim Einstieg in digitale Partizipation, während Gastzugänge einen unkomplizierten Zugang zu Beteiligungsformaten ermöglichen. Erstes Feedback aus der praktischen Erprobung in der KVL floss kontinuierlich in Design- und Funktionsentscheidungen ein.
Auf dieser Basis wurde in der zweiten Iteration die Plattform in agilen Entwicklungszyklen nach SCRUM weiterentwickelt. Hier lag der Schwerpunkt auf der Konzipierung, Entwicklung und Integration der KI-Komponente sowie der Ausarbeitung klarer Leitlinien für verantwortungsvolle KI-Unterstützung in Beteiligungsprozessen. Die KI dient nicht der automatischen Entscheidungsfindung, sondern als moderierende und strukturierende Unterstützung: Sie fasst Diskussionen zusammen, macht Argumentationslinien sichtbar und hilft dabei, große Beteiligungsräume übersichtlich zu halten und somit später einsteigenden Teilnehmenden oder Moderator:innen einen schnellen Überblick zu verschaffen. Technisch basiert die KI-Komponente auf einem daten-schutzkonform in Europa gehosteten System, das die Open-Source-Modelle Mistral und ChatGPT kombiniert. So können erprobte Modelle datenschutzkonform und im Hinblick auf digitale Souveränität für den NPO-Kontext angeboten werden.
Die Entwicklung der KI-Komponente orientierte sich an fünf zentralen Qualitätsprinzipien. Erstens stellt Repräsentativität sicher, dass sowohl Mehrheits- als auch Minderheitenpositionen sichtbar bleiben. Zweitens fördert Meinungsvielfalt die Darstellung unterschiedlicher Argumenttypen und Perspektiven, anstatt Diskussionen zu vereinheitlichen. Drittens gewährleistet Neutralität eine kontrollierte sprachliche Rahmung, sodass die KI keine inhaltliche Bewertung oder Verzerrung einführt. Viertens sorgt Themenabdeckung dafür, dass relevante Themenaspekte vollständig berücksichtigt werden und keine wichtigen Beiträge verloren gehen. Schließlich stellt inhaltliche Treue sicher, dass Inhalte korrekt wiedergegeben werden, ohne Halluzinationen oder falsche Zuschreibungen.
Nach der Entwicklungsphase wird die Plattform aktuell weiter erprobt und verstetigt. Durch diesen iterativen Ansatz entstand eine kostenfreie und praxisorientierte Plattform, die NPO befähigt, digitale Beteiligung selbstständig umzusetzen und gleichzeitig durch KI unterstützte Funktionen für die niedrig-schwellige Beteiligung verantwortungsvoll zu nutzen.
Gelerntes
Obwohl die Beteiligungsplattform für den KVL-spezifischen Kontext entwickelt wurde und rein digitale Beteiligungsformate ermöglicht, musste sie in ihrer Praxisanwendung bzw. -erprobung dennoch in analoge Formate eingebunden werden. Eine rein digitale Beteiligung ist, je nach Digitalisierungsgrad der Organisation, teilweise nicht umzusetzen und bedarf gut strukturierter Einführungsformate (Onboarding). Auch kann die Plattform nur einen Teil der Partizipation unterstützen. Die Planung, Moderation und Auswertung werden nicht digital unterstützt und liegen in der Verantwortung der Organisator:innen der Prozesse. Perspektivisch soll die Beteiligungsplattform sowie die Learning Nuggets noch in mehreren NPO erprobt werden, um so eine breitere Perspektive auf den Praxiseinsatz und notwendige Anpassungen zu bekommen.